Ich habe eine Bengalkatze, welche seit vielen Monaten die Einrichtung zerstört und alles markiert. Können Sie sie bei sich auf dem Katzengnadenhof aufnehmen?

 

Bengalkatzen - Abstammung, Bedürfnisse, Probleme und Haltungsanforderungen


Immer mehr Abgabeanfragen bezüglich Bengalkatzen gehen bei uns ein und eine Information scheint dringend notwendig! Denn es ist nicht möglich, in ein paar wenigen Generationen ein Wildtier zu domestizieren. Die Natur braucht hierfür tausende von Jahren! Nur weil Katze im Namen steht, handelt es sich noch lange nicht um eine Katze

Wir bedauern, auf unserem Katzengnadenhof keine Hybriden (Bengalkatzen/Savannahkatzen) aufnehmen zu können. Bei Problemen setzen Sie sich unbedingt mit Ihrem Züchter in Verbindung. Seriöse Züchter stehen Ihnen sicherlich gerne mit Rat und Tat (und Rücknahme des Tieres/der Tiere) zur Seite!

Leider wird der 'Markt' auch bei diesen Tieren immer mehr von fragwürdigen 'Züchtern' aus dem Ausland überschwemmt, da der Anschaffungspreise im Verhältnis zu Schweizer Züchtern viel geringer sind. Schlussendlich zahlen aber meist alle Beteiligten, Tier wie Mensch einen sehr hohen Preis! Einen zu hohen, wie wir finden. Viele Tiere wurden nicht entsprechend tierärztlich untersucht und zum Teil sogar als kastriert abgegeben, obwohl sie das gar nicht sind. Mehr dazu in unserem Artikel: Ist er's - ist sie's - oder nicht (kastriert)? > Deshalb möchten wir gerne aus unserer Sicht aufklären:

Wie ist die Bengalkatze 'eine aktuell vermeintliche Hauskatzenrasse' überhaupt entstanden? 
Sie geht auf eine Kreuzung mit einer asiatischen Wildkatze zurück. Zoologen verstehen unter Bengalkatze eigentlich eine in Ost- und Südasien verbreitete Wildkatze (Prionailurus bengalensis). Sie hat etwa die die Grösse einer Hauskatze aber das Fellmuster eines Leoparden und ganz eigene Verhaltensweisen. Im Englischen heisst sie daher „Asian Leopard Cat“. Sie ist somit ein Hybrid und selbst die zweite und dritte Generation von Hybriden aus wilder Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) und Hauskatze (Felis silvestris catus) ist spätestens mit der Geschlechtsreife nicht mehr als Haustier zu halten.

Im Jahre 1934 wurde die Kreuzung aus Hauskatze und der wildlebenden Bengalkatze zum ersten Mal in einem belgischen Wissenschaftsmagazin erwähnt. Da Wildkatzen häufig eine natürliche Immunität gegen die Krankheit FeLV (Felines Leukämievirus) aufweisen, begann man in den 1970er Jahren zu untersuchen, ob sich diese Immunität gezielt züchten liesse.

Erst 1972 wurde die Zucht mit mehreren Hybriden weitergeführt. Aus diesen Verpaarungen entstand schliesslich die jetzige Form (durch extreme Inzucht und Rückzucht) um ein einigermassen stabiles Erscheinungsbild hervorbringen zu können. Heutzutage wird die Bengalkatze reinerbig gezüchtet. Es werden nur noch Bengalkatzen untereinander verpaart, aber nicht länger, wie bei der Entstehung der Rasse, andere Rassen (beispielsweise Abessinier oder American Shorthair) mit eingepaart. Obwohl viele Vereine die Bengalkatze - berechtigterweise bis heute - nicht anerkennen, definierte der amerikanische Katzenverein TICA den ersten Rassebestand im Jahre 1986.

Probleme mit anderen Katzen oder anderen Hybriden
Die wilde Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) ist ein einzelgängerisch lebender Beutegreifer. Das ist ein sehr elementarer und wichtiger Aspekt, den es zu bedenken gilt! Sie ist eine hervorragende Jägerin am Boden, in den Bäumen und selbst im Wasser. Bengalkatzen können sehr gut schwimmen und mögen Wasser, ganz anders als unsere Hauskatzen. Denn sie zählen nicht zu den Ahnen unserer Hauskatze. Auch vermischen sie sich NICHT –  wie hier die europäische Wildkatze – mit Hauskatzen. Diesen Mix hat der Mensch verursacht, nicht die Natur! Die Bengalkatze gilt weiterhin als unzähmbar. Mittlerweile findet man den Gedanken leider attraktiv, sich das schöne Fell und die elegante, repräsentative Erscheinung solcher Hybriden in die Wohnung zu holen.

Warum entstehen erst mit der Zeit Probleme?
Die meisten Versuche scheitern immer wieder. Selbst die zweite und dritte Generation von Hybriden aus wilder Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) und Hauskatze (Felis silvestris catus) ist spätestens mit der Geschlechtsreife nicht mehr als Haustier - erst recht nicht in reiner Wohnungshaltung - zu halten. Das gilt selbst dann, wenn sie von Welpen an mit Menschen aufgewachsen sind und frühzeitig kastriert wurden. So werden diese Produkte menschlicher Eitelkeit regelmässig euthanasiert oder an Tierheime abgegeben. Das gilt für die Bengalkatze als auch für Hybriden mit anderen Wildkatzen wie Karakal, Otzelot oder dem Serval, Savannah-Katze genannt.

Charakter und Wesen
Das Wesen einer Bengalkatze kann nicht pauschal beschrieben werden. Hierfür ist die Zucht noch zuwenig ausgereift und stabil. Zudem sind die Zuchtlinien oft nur unzureichend dokumentiert. Es gibt Exemplare, die in ihrem Wesen und Verhalten sehr stark an eine normale Hauskatze erinnern und wiederum andere, bei denen eher das Wildtier dominant zum Vorschein kommt. Es ist nicht möglich, in ein paar Generationen ein Wildtier zu domestizieren. Die Natur braucht hierfür tausende von Jahren. Manche Züchter versuchen der extremen Inzucht entgegen zu steuern und zugleich die Leopardenfärbung der Wildkatze zu erhalten. Sie greifen auf Originalverpaarungen wilder Bengalkatzen mit gezüchteten Rassekatzen zurück. Hierdurch wird aber unweigerlich die unzähmbare und nicht zum Haustier taugliche Wildheit in der Zucht aktiviert. F1- und F2-Generationen der Bengal sind spätestens mit Eintritt der Geschlechtsreife keine Schmusekatzen mehr und nicht als Haustiere geeignet. Selbst nach etlichen Generationen kann das Wildtierhafte immer wieder zum Vorschein kommen, was sich unter anderem in grosser Scheu, Stress in der Nähe des Menschen, Markieren, dem starken Drang nach Freigang, Unabhängigkeit vom Menschen und generelles Nicht-Benutzen des Katzenklos zeigt.

Unsauberkeit
Es ist ein bekanntes Problem, dass Bengale ihr grosses wie kleines Geschäft in der freien Natur im Wasser verrichten (um keine Spuren zu hinterlassen) und oftmals Bemühungen, sie an herkömmliche Katzenklos zu gewöhnen, scheitern. Am idealsten für Bengalkatzen wäre ein Schwimmteich, in welchem sie ihrer Liebe zu Wasser nachgehen können. Dazu kommt, dass es fliessendes Wasser sein sollte, denn stehendes Wasser ist generell unattraktiv. In der Natur wäre dies ein Fluss. Diese anspruchsvolle Haltung erfordert jedoch ein grosses gesichertes Grundstück und einige bauliche Massnahmen, damit Bengale auch all ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen können.

Haltung
Die Haltung einer Bengalkatze hängt schlussendlich davon ab, wieweit die Hauskatze und wieweit die Wildkatze in ihr lebendig ist. Die Haltung eines Exemplars mit stark wildtierhaftem Wesen in einer Wohnung ist nicht nur nervenaufreibend vielmehr auch Tierquälerei. Der Kauf einer Bengalkatze ist mit verschiedenen Risiken behaftet. Diese sind zum einen gesundheitlicher Art, zum anderen hinsichtlich des Risikos, dass Wesenszüge des wilden Vorfahrens beim erwachsenen Tier zum Vorschein kommen und eine Haltung als Familienkatze unmöglich machen. Es stellt sich auch die Frage, ob es sinnvoll und ethisch zu rechtfertigen ist, direkte Nachkommen von Wildtieren in einer Wohnung halten zu wollen, nur aufgrund des anmutigen Erscheinungsbild.